Miesbacher Merkur vom 03.08.2012

An dieser Stelle dokumentieren wir einen anlässlich der Veranstaltung des Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe am 3. August in der Print-Ausgabe des Miesbacher Merkurs erschienenen Artikel

Bündnis fordert sofortige Entfernung der Freikorps-Tafel

An dieser stelle Dokumentieren wir eine Pressemitteilung des Bündnis gegen Rechtsextreme Umtriebe im Oberland vom 21. Mai 2012

SCHLIERSEE, LKR MIESBACH Abermals hat an der Weinbergkapelle in Schliersee die vielfach kritisierte Annaberg-Gedenkfeier stattgefunden. Wie schon im Jahr zuvor wurde ein Kranz des „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“ an der Kapelle abgelegt. Dieses Jahr dürften die Umstände der rechten Gedenkfeier den Beteiligten nicht gefallen haben: Eine Woche zuvor hatten Unbekannte den Schriftzug „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“ angebracht.

Alt- und Neonazis, bündische Aktivist_innen, militaristische Verbände und Vertriebenenorganisationen zelebrieren seit vielen Jahrzehnten hier das „Gedenken“ an die reaktionären Freikorps und ihre Kämpfe in Oberschlesien. Ort der vom „Bündnis gegen Rechtsextremistische Umtriebe“ als reaktionär und geschichtsrevisionistisch bezeichneten Veranstaltung ist die Schlierseer Weinbergkapelle. Die dort angebrachte Tafel wurde von Karl Diebitsch, einem frühen Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung und gewichtigem SS-Funktionär, entworfen.
Bild: An der Weinbergkapelle abgelegte Kranz des Stahlhelm B.d.F.. In der Woche zuvor hatten Unbekannte einen antifaschistischen Spruch an die Kapellenwand gesprayd.
Bild: An der Weinbergkapelle abgelegte Kranz des Stahlhelm B.d.F.. In der Woche zuvor hatten Unbekannte einen antifaschistischen Spruch an die Kapellenwand gesprayd..

Neu und umso mehr bedenklich ist das wiederholte Ablegen eines Kranzes zu ehren der rechten Frontkämpfer-Organisation Stahlhelm.
Dieser Bund der Frontsoldaten war mit 500.000 Mitgliedern einer der bedeutendsten Wehrverbände der nationalen Rechten in der Weimarer Republik. Der „Stahlhelm“ paktierte ab 1931 mit der NSDAP und der DNVP in der sogenannten Hartzburger Front. Seit Juni 1933 wurden die Mitglieder des Stahlhelms in die SA überführt.

Der als „preußisch-protestantisch“ und „städtisch-landfremd“ verschrieenen Magdeburger Wehrorganisation fiel es in Bayern zunächst schwer, Fuß zu fassen. Die deutschen Bischofskonferenzen hatten bereits seit 1924 wiederholt vor dem Bund gewarnt und waren nicht gewillt, sein Vordringen in das katholische Kernland Bayern zu dulden.

„Wir fordern nun die Pfarrgemeinde Schliersee auf, den Alt- und Neonazis endlich den Anlass ihres jährlichen Treibens, die unsägliche Gedenktafel, zu entfernen.“ Sagt Michael Kurz, Sprecher des Bündnis gegen Rechtsextreme Umtriebe.

Weinbergkapelle Beschmiert – Artikel aus dem Miesbacher Merkur vom 14.05.2012

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen ‚Artikel aus dem Miesbacher Merkur vom 14. Mai 2012

Schliersee -Unbekannte haben die Weinberg-Kapelle in Schliersee mit politischen Parolen beschmiert. „Nie wieder Krieg“ und „Nie wieder Faschismus“ steht in schwarzen Lettern an der Kapellenwand geschrieben. Die Tafel, die an die „52 im Freiheitskampf um Oberschlesien anno 1921 gefallenen Kameraden“ des Freikorps Oberland gednekt, ist durchgestrichen. Schaden: rund 250 Euro. Bei der Polizei Miesbach ist nun Anzeige eingegangen. Diese ermittelt wegen eienr politisch motivierten Straftat und sucht unter 08025/2990 nach Zeugen.
Der Hintergrund der Schmierereien dürfte bekannt sein: Jährlich kommen Ende Mai am Weinberg von Vertriebenenverbänden und der Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland zusammen, um der toten Annaberg Kämpfer zu gedenken. Im Internet kursieren Videos, wie eine NPD-Fahne geschwenkt wird – was den Veranstaltern gar nicht passte – und wie dier erste Strophe der Deutschen Nationalhymne gesungen wird, was allerdings nicht verboten ist. Allerlei Personen, die eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind, tummelten sich am Weinberg. Zwischenzeitlichkam es zu Gegendemonstrationen, an letzteren intensiv beteiligt war auch das linksextreme Spektrum. Zwei Jahre lang fiel das Gedenken aus. In den Vergangenen beiden Jahren fand es wider statt, allerdings ohne Begleitung von linker Seite, sehr wohl aber seitens der Polizei. Eine Vorsichtsmaßnahme.

Das Freikorps Oberland war ein paramilitärischer und deutschnationaler Freiwilligentrupp, der unter anderem 1919 an der blutigen Niederschlagung der Zweiten Münchner Räterepublik und 1923 – umbenannt in Bund Oberland – am Hitlerputsch beteiligt gewesen war. Angesichts der pazifistischen und antifaschistischen Parolenam Weinberg kann man wohl davon ausgehen, dass heuer eine Gedenkveranstaltung nicht lautlos über die Bühne gehen wird. Aktuell ist der Polizei Miesbach allerdings nicht bekannt, dass das Treffen stattfinden soll.
Der nächstliegende Termin wäre Sonntag, der 20. Mai. Denn die erfolgreiche Erstürmung des Annabergs fand am 21. Mai 1921 statt. Allerdings: in den Jahren nach den großen Demonstrationen kamen teile der rechten Szene schon Wochen zuvor informell in Schliersee zusammen – zu einem „Wandertag“.

Lesung: Spuren des Nationalsozialismus im bayerischen Oberland

Veranstaltungsort: Pfarrheim St. Sixtus, Schliersee
Termin: 16.11.2011 (Mi.) , 20:00 Uhr – 21:30 Uhr

Reinhold Friedrich liest aus seinem Buch „Spuren des Nationalsozialismus im bayerischen Oberland – Schliersee und Hausham zwischen 1933 und 1945 “.

Schliersee war in den Jahren des Nationalsozialismus keine gewöhnliche Landge-meinde. Schon 1938 konnte die dortige Ortsgruppe der NSDAP ihr fünfzehnjäh-riges Bestehen feiern und der zuständige Kreisleiter stolz eine nationalsozialisti-sche Mustergemeinde präsentieren. Wie es wirklich war und dass Vieles unter der offiziellen Decke verborgen blieb, zeigt ein Blick in die Spruchkammerakten und anderes Archivmaterial: Das Spektrum reicht vom still duldenden Zeugen Jehovas über opponierende Trachtenvereinsmitglieder bis hin zu parteiinternen Intrigen. Opposition regte sich vor allem in der benachbarten Bergbaugemeinde Hausham, die immer ein »roter« Dorn im Fleisch der NSDAP blieb.Der braune Kult um das Gefallenendenkmal des Freikorps Oberland und der Betrieb in der Schule der SA-Gruppe Hochland sorgten schon früh für eine überregionale Ausstrahlung Schliersees im nationalsozialistischen Bayern. Als sich dann noch die prominenten Reichsminister Hans Frank, Heinrich Himmler und Otto Meißner hier mit Landsitzen und Jagdhäusern niederließen, war auch die Verzahnung mit der großen nationalsozialistischen Welt Berlins gegeben. In diesem Kosmos fehlten nicht die Schattenseiten, denn den Herren folgten die Knechte. In diesem Fall wa-ren das die Häftlinge der Außenkommandos, die das Konzentrationslager Dachau hier betrieb.Ergänzt wird diese Studie durch eine fotografische Dokumentation der behandel-ten Bauten der NS-Zeit sowie exemplarische archivalische Materialien.

Kartenvorverkauf über Bücher-Oase Schliersee, Tel. 08026/6904
Ort: Pfarrheim St. Sixtus, Schliersee

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Vor 90 Jahren: Hitler manövriert sich an die Spitze der NSDAP

Gewaltbereitschaft, terroristische Aktionen und Putschversuche gehörten von Anfang an zum Politikarsenal deutscher Faschisten, die sich seit 1919/20 in der NSDAP zu sammeln begannen. Zwar war im März 1920 der Versuch der Herren Kapp und Lüttwitz gescheitert, eine offene Militärdiktatur zu errichten sowie die Ergebnisse des verlorenen Weltkrieges und der Novemberrevolution zu revidieren – dank des Generalstreiks von zwölf Millionen Arbeitern und anderer demokratischer Kräfte. Doch der Gedanke an einen gewaltsamen Sturz der Weimarer Republik nahm in der Vorstellungswelt seiner Initiatoren und Befürworter nach wie vor einen bedeutsamen Platz ein. Dazu trug u.a. bei, daß in Bayern die Reaktion trotz der Niederlage Kapps zufrieden sein konnte: Fast alle Ziele des Putsches hatten sich in ihrem Land erreichen lassen, sozusagen auf kaltem Wege. Das sozialdemokratische Kabinett sah sich massiv unter Druck gesetzt und mußte am 16. März einer rein bürgerlichen Regierung unter dem rechtskonservativen Monarchisten Gustav Ritter von Kahr weichen. Vor allem mit Hilfe der 300000 Mitglieder zählenden bayerischen Einwohnerwehren gelang es, den Freistaat zu einer »Ordnungszelle« Deutschlands zu machen, zu einer Hochburg monarchistisch-partikularistischer Kräfte, zum Schlupfwinkel rechtsradikaler Terrorgruppen und damit auch zur Brutstätte völkisch-faschistischer Organisationen

Unverkennbar dominierten seit 1921, auch als Ergebnis der nunmehr durchgesetzten autoritären Strukturen, Bestrebungen zum Aufbau einer parteieigenen Bürgerkriegstruppe. Ansätze dazu waren schon zuvor erkennbar: Vor und während der Juli-Krise hatte sich Hitler bereits mit einer »Schutz«-Truppe umgeben. Schläger u.a. aus den Reihen des Freikorps Oberland – bezahlt mit einem Tagegeld zwischen 15 und 60 Mark – sollten Veranstaltungen »schützen«. Am 3. August 1921 wurde offiziell die Sport- und Turnabteilung ins Leben gerufen, jene bald als Sturmabteilung (SA) bezeichnete Schlägergarde der NSDAP. Ihr erster Leiter, Hans Ulrich Klintzsch, kam aus jener berüchtigten Marinebrigade II unter Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt, die bereits aktiv am Kapp-Putsch mitgewirkt hatte. Gleich ihm fanden auch andere ehemalige Soldaten in der SA eine neue »Heimat«, nachdem unter dem Druck der Entente die Einwohnerwehren und andere paramilitärische Verbände endgültig aufgelöst worden waren.

den ganzen Artikel gibts zu lesen in der Jungen Welt vom 29.07.2011