Weinbergkapelle Beschmiert – Artikel aus dem Miesbacher Merkur vom 14.05.2012

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen ‚Artikel aus dem Miesbacher Merkur vom 14. Mai 2012

Schliersee -Unbekannte haben die Weinberg-Kapelle in Schliersee mit politischen Parolen beschmiert. „Nie wieder Krieg“ und „Nie wieder Faschismus“ steht in schwarzen Lettern an der Kapellenwand geschrieben. Die Tafel, die an die „52 im Freiheitskampf um Oberschlesien anno 1921 gefallenen Kameraden“ des Freikorps Oberland gednekt, ist durchgestrichen. Schaden: rund 250 Euro. Bei der Polizei Miesbach ist nun Anzeige eingegangen. Diese ermittelt wegen eienr politisch motivierten Straftat und sucht unter 08025/2990 nach Zeugen.
Der Hintergrund der Schmierereien dürfte bekannt sein: Jährlich kommen Ende Mai am Weinberg von Vertriebenenverbänden und der Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland zusammen, um der toten Annaberg Kämpfer zu gedenken. Im Internet kursieren Videos, wie eine NPD-Fahne geschwenkt wird – was den Veranstaltern gar nicht passte – und wie dier erste Strophe der Deutschen Nationalhymne gesungen wird, was allerdings nicht verboten ist. Allerlei Personen, die eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind, tummelten sich am Weinberg. Zwischenzeitlichkam es zu Gegendemonstrationen, an letzteren intensiv beteiligt war auch das linksextreme Spektrum. Zwei Jahre lang fiel das Gedenken aus. In den Vergangenen beiden Jahren fand es wider statt, allerdings ohne Begleitung von linker Seite, sehr wohl aber seitens der Polizei. Eine Vorsichtsmaßnahme.

Das Freikorps Oberland war ein paramilitärischer und deutschnationaler Freiwilligentrupp, der unter anderem 1919 an der blutigen Niederschlagung der Zweiten Münchner Räterepublik und 1923 – umbenannt in Bund Oberland – am Hitlerputsch beteiligt gewesen war. Angesichts der pazifistischen und antifaschistischen Parolenam Weinberg kann man wohl davon ausgehen, dass heuer eine Gedenkveranstaltung nicht lautlos über die Bühne gehen wird. Aktuell ist der Polizei Miesbach allerdings nicht bekannt, dass das Treffen stattfinden soll.
Der nächstliegende Termin wäre Sonntag, der 20. Mai. Denn die erfolgreiche Erstürmung des Annabergs fand am 21. Mai 1921 statt. Allerdings: in den Jahren nach den großen Demonstrationen kamen teile der rechten Szene schon Wochen zuvor informell in Schliersee zusammen – zu einem „Wandertag“.

Lesung: Spuren des Nationalsozialismus im bayerischen Oberland

Veranstaltungsort: Pfarrheim St. Sixtus, Schliersee
Termin: 16.11.2011 (Mi.) , 20:00 Uhr – 21:30 Uhr

Reinhold Friedrich liest aus seinem Buch „Spuren des Nationalsozialismus im bayerischen Oberland – Schliersee und Hausham zwischen 1933 und 1945 “.

Schliersee war in den Jahren des Nationalsozialismus keine gewöhnliche Landge-meinde. Schon 1938 konnte die dortige Ortsgruppe der NSDAP ihr fünfzehnjäh-riges Bestehen feiern und der zuständige Kreisleiter stolz eine nationalsozialisti-sche Mustergemeinde präsentieren. Wie es wirklich war und dass Vieles unter der offiziellen Decke verborgen blieb, zeigt ein Blick in die Spruchkammerakten und anderes Archivmaterial: Das Spektrum reicht vom still duldenden Zeugen Jehovas über opponierende Trachtenvereinsmitglieder bis hin zu parteiinternen Intrigen. Opposition regte sich vor allem in der benachbarten Bergbaugemeinde Hausham, die immer ein »roter« Dorn im Fleisch der NSDAP blieb.Der braune Kult um das Gefallenendenkmal des Freikorps Oberland und der Betrieb in der Schule der SA-Gruppe Hochland sorgten schon früh für eine überregionale Ausstrahlung Schliersees im nationalsozialistischen Bayern. Als sich dann noch die prominenten Reichsminister Hans Frank, Heinrich Himmler und Otto Meißner hier mit Landsitzen und Jagdhäusern niederließen, war auch die Verzahnung mit der großen nationalsozialistischen Welt Berlins gegeben. In diesem Kosmos fehlten nicht die Schattenseiten, denn den Herren folgten die Knechte. In diesem Fall wa-ren das die Häftlinge der Außenkommandos, die das Konzentrationslager Dachau hier betrieb.Ergänzt wird diese Studie durch eine fotografische Dokumentation der behandel-ten Bauten der NS-Zeit sowie exemplarische archivalische Materialien.

Kartenvorverkauf über Bücher-Oase Schliersee, Tel. 08026/6904
Ort: Pfarrheim St. Sixtus, Schliersee

gefunden auf:

Vor 90 Jahren: Hitler manövriert sich an die Spitze der NSDAP

Gewaltbereitschaft, terroristische Aktionen und Putschversuche gehörten von Anfang an zum Politikarsenal deutscher Faschisten, die sich seit 1919/20 in der NSDAP zu sammeln begannen. Zwar war im März 1920 der Versuch der Herren Kapp und Lüttwitz gescheitert, eine offene Militärdiktatur zu errichten sowie die Ergebnisse des verlorenen Weltkrieges und der Novemberrevolution zu revidieren – dank des Generalstreiks von zwölf Millionen Arbeitern und anderer demokratischer Kräfte. Doch der Gedanke an einen gewaltsamen Sturz der Weimarer Republik nahm in der Vorstellungswelt seiner Initiatoren und Befürworter nach wie vor einen bedeutsamen Platz ein. Dazu trug u.a. bei, daß in Bayern die Reaktion trotz der Niederlage Kapps zufrieden sein konnte: Fast alle Ziele des Putsches hatten sich in ihrem Land erreichen lassen, sozusagen auf kaltem Wege. Das sozialdemokratische Kabinett sah sich massiv unter Druck gesetzt und mußte am 16. März einer rein bürgerlichen Regierung unter dem rechtskonservativen Monarchisten Gustav Ritter von Kahr weichen. Vor allem mit Hilfe der 300000 Mitglieder zählenden bayerischen Einwohnerwehren gelang es, den Freistaat zu einer »Ordnungszelle« Deutschlands zu machen, zu einer Hochburg monarchistisch-partikularistischer Kräfte, zum Schlupfwinkel rechtsradikaler Terrorgruppen und damit auch zur Brutstätte völkisch-faschistischer Organisationen

Unverkennbar dominierten seit 1921, auch als Ergebnis der nunmehr durchgesetzten autoritären Strukturen, Bestrebungen zum Aufbau einer parteieigenen Bürgerkriegstruppe. Ansätze dazu waren schon zuvor erkennbar: Vor und während der Juli-Krise hatte sich Hitler bereits mit einer »Schutz«-Truppe umgeben. Schläger u.a. aus den Reihen des Freikorps Oberland – bezahlt mit einem Tagegeld zwischen 15 und 60 Mark – sollten Veranstaltungen »schützen«. Am 3. August 1921 wurde offiziell die Sport- und Turnabteilung ins Leben gerufen, jene bald als Sturmabteilung (SA) bezeichnete Schlägergarde der NSDAP. Ihr erster Leiter, Hans Ulrich Klintzsch, kam aus jener berüchtigten Marinebrigade II unter Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt, die bereits aktiv am Kapp-Putsch mitgewirkt hatte. Gleich ihm fanden auch andere ehemalige Soldaten in der SA eine neue »Heimat«, nachdem unter dem Druck der Entente die Einwohnerwehren und andere paramilitärische Verbände endgültig aufgelöst worden waren.

den ganzen Artikel gibts zu lesen in der Jungen Welt vom 29.07.2011

Wieder Freikorps Gedenken in Schliersee/ Bayrischzell

Am 22. Mai fand auch in diesem Jahr wieder die sogenannte „Annaberg-Gedenkfeier“ an der Kapelle auf dem Weinberg in Schliersee statt. Alt- und Neonazis, bündische Aktivist_innen, militaristische Verbände und Vertriebenenorganisationen zelebrieren seit vielen Jahrzehnten hier das „Gedenken“ an die reaktionären Freikorps und ihre Kämpfe in Oberschlesien. Nach Presseberichten haben sich 55 Personen an der Gedenkfeier beteiligt. Der Zusammenschluss aus Geschichtsrevisionist_innen und offenen Nazis konnte offenbar dieses Mal in Schliersee keinen Raum für die Saalveranstaltung fanden wich in einen Wirtshaus nach Bayrischzell aus. Über diese Veranstaltung schreibt eine rechte Internetseite: „ Hierbei wurde neben interessanten zeitgeschichtlichen Vorträgen auch der Wille bekräftigt, in den kommenden Jahren das Gedenken am Schliersee fortzusetzen“ auch wird sich beklagt, dass „nur wenige Tage nach dem Gedenken die niedergelegten Kränze zerstört“ worden seien. Nach Angaben des a.i.d.a. Archivs wurden in diesem Jahr eine ganze Reihe Kränze niedergelegt, unter anderem von der „Kameradschaft und Bund Oberland“, vom „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“ („Schlechtes wehren, Tradition ehren / Heimatschutz und der Gemeinschaft Nutz“) sowie ein mit einem schwarz-weiß-roten Bändchen dekoriertes Gebinde.

Schliersee 2011

Bildquelle: aida-archiv.de

 Screenshot

Bildquelle Screenshot einer Internetseite

Was zu viel ist, ist zu viel – antifaschistische Kundgebung

An dieser Stell möchten wir auf einen Termin hinweisen und einen Aufruf des Miesbacher Bündnis gegen Rechts auf unsere Seite nehmen

huttler get out of our hood!

Mit einer Kundgebung am Samstag Mittag, den 18.09.2010, möchten wir uns aufgrund der Vorfälle in jüngster Zeit mit den Betroffenen von Nazigewalt und Bedrohungen in Miesbach und überall solidarisieren. Neonazis aus dem Umfeld der „Kameradschaft Miesbach“ bedrohen in letzter Zeit vermehrt Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen oder die sie für politische Gegner*innen halten. Aufgefallen ist die Kameradschaft bisher besonders im März, als die Neonazis versuchten mit einer „Fackelmahnwache“ eine Info-Veranstaltung im Miesbacher Jugendzentrum FUKK zu stören. Leider bleibt es nicht bei hohlen Phrasen im Internet. Fast wöchentlich berichten Jugendliche, dass sie von Nazis angepöbelt, verfolgt oder bedroht wurden. Das geht so weit, dass vermummte Neonazis Menschen vor der eigenen Haustür bedrohen.

Was zu viel ist, ist zu viel – enough is enough! Wir lassen uns das nicht länger gefallen!

Wir haben keine Lust mehr uns bei politischen Aktionen wegen Nazis einzuschränken. Wir wollen Veranstaltungen wieder öffentlich bewerben, ohne dass Nazis auftauchen und versuchen zu stören. Es macht uns wütend, wenn wir keine Räume für antifaschistische Veranstaltungen bekommen, weil die Besitzer*innen Angst vor Naziübergriffen haben. Wir wollen uns nicht in der Kneipe von Nazis bedrohen lassen, die uns abfotografieren und auf dem Heimweg verfolgen. Es muss endlich aufhören, dass Neonazis ihre Ideologie ungestört verbreiten und Jugendliche für Kameradschaftsabende oder andere Naziaktionen werben.
Der gegenwärtige Zustand ist für uns nicht mehr länger hinnehmbar. Deshalb möchten wir in aller Öffentlichkeit zeigen, dass endlich etwas passieren muss. Wir lassen uns nicht einschüchtern und werden unser Leben wegen Nazis nicht einschränken.

Kein Fußbreit den Faschist*innen! Nicht in Miesbach, und auch nirgendwo sonst!

Lasst uns alle gemeinsam und solidarisch zeigen, dass es endgültig reicht! Es kann nicht sein, dass die Presse und die Öffentlichkeit das Naziproblem in Miesbach seit Monaten ignoriert oder sogar leugnet, anstatt dagegen vorzugehen! Nazis lassen sich nicht wegignorieren! Faschist*innen müssen wir uns immer und überall in den Weg stellen!

hasst du einen hutter dann hast du immer butter