Die Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland unter ihrem „Führer” Jürgen Popp (aus Rosenheim) bezieht sich auf die historischen Freikorps Oberland. Welch menschenverachtendes Gedankengut innerhalb dieser „Kameradschaft” gepflegt wird, zeigt Ihr Mitteilungsblatt „Der Oberländer”. Hier finden sich Artikel aus den unterschiedlichsten rechten Publikationen. Ob Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus, Verschwörungstheorien oder Berichte von Neonaziaufmärschen, zahlreiche rechte Themenfelder werden bedient. So verwundert es auch kaum, dass die „Kameradschaft” an Gedenkveranstaltungen der faschistischen NPD teilnimmt und deren Pressemitteilungen in ihrem Mitteilungsblatt abdruckt.


„DER OBERLÄNDER“,

Anhand des ungefähr zweimal jährlich erscheinenden Mitteilungsblatt der Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland „Der Oberländer“ kann, da dies zur Unterrichtung innerhalb der Kameradschaft dient, da von ausgegangen werden, dass es dem Meinungsbild der Kameradschaft und damit verbunden im Groß und Ganzen den einzelnen Mitgliedern entspricht. So steht es auch jedem Kamerad frei darin Artikel und Meinungen abdrucken zu lassen.

Inhaltlich wird im Oberländer anhand aktueller politischer Themen eine klar antisemitische, verschwörungstheoretische, ethnopluralistische Weltsicht verbreitet. Sehr geschickt befinden sich diese Inhalten immer am Rande Legalität, wobei das dahinter stehende Weltbild jedoch mehr als deutlich wird.

Nähe Zur NPD

Die Kameradschaft und auch SympathisanInnen derselben versuchen eine Distanzierung zu Rechts zu schaffen durch Äußerungen wie: „Wir sind keine rechtsradikale Organisation!“ (Folge 41, S. 12) und der Forderung keine Springerstiefel und Parteilogos auf der Annaberggedenkfeier in Schliersee zu tragen. Aufgrund eindeutiger Äußerungen und der Nähe zur NPD erscheint dieses Distanzierung jedoch mehr als fraglich.

2005 fand so beispielsweise ein gemeinsames Gedenken im Waldfriedhof in München zur „Erinnerung an die Befreiung Münchens von der „Räterepublik“ (Folge 41, S. 04) statt. Hauptorganisator war dabei Roland Wuttke, mittlerweile stellvertretender Landesvorstand der NPD Bayern und Bezirksvorsitzender der NPD Oberbayern.

Im Jahre 2000 waren auf der Annaberggedenkfeier auch TeilnehmerInnen der JN (Jugendorganisation der NPD), welche dabei unter anderem NPD-Materialien verkauften.

Auf der Gedenkfeier 2006 war u.a. Pia Veitl (NPD München) anwesend und in der neuen Ausgabe des Oberländer befindet sich das „Herz für Deutschland“ (Folge 45), welches von der NPD für den Wahlkampf verwendet wird.

In älteren Ausgaben des Oberländers finden sich desweiteren verschiedene abgedruckte Äußerungen der NPD, wie eine Presseerklärung (März 2005: „Erklärung der NPD-Fraktion zu den Vorgängen am 21.01.2005 im Sächsischen Landtag“ und weitere Erklärungen und Statements von Vertretern der NPD. Nicht zuletzt ist auch der Aufruf national zu wählen in dem Mitteilungsblatt abgedruckt.

Im Oberländer verwendete SS-Runen

Bis zur Ausgabe 43 (März 2006) werden im Oberländer die von der SS verwendeten Runen für Leben und Tod bei den Todesanzeigen der Kameraden verwendet. Diese wurden im Nationalsozialismus als Lebens- und Todesrune uminterpretiert und standen auf Gräbern SS-Angehöriger als Zeichen für das Geburts- und Todesdatum (http://www.ida-nrw.de/html/Hemblem.htm). Damit stellt sich die Kameradschaft eindeutig in eine, auch im geschichtlichen zu findenden Tradition, was auch das Gedankengut betrifft.

Antisemitismus

Im Oberländer finden sich des weiteren durchweg antisemitische Stereotypen und Äußerungen.

Exemplarisch dafür ist die von Busch abgedruckte Karikatur „Plüsch und Plum“. Diese spielt mit klassischen antisemitischen Stereotypen, wie der Physiognomie, aber auch der Ähnlichkeit zu Abbildungen aus dem „Stürmer“.

Untermauert wird dies durch Äußerungen wie „Juden erfanden den Sozialismus, den Kommunismus, die Menschenrechte und Demokratie, um die Kontrolle über die mächtigsten Länder der Welt auszuüben“ (März 2005, S. 28), „Die wenigen Aufgaben, die die Eu und die ´amerikanische Ostküste´ unsere Abgeordneten noch entscheiden läßt“, „Die Zinsen – wer kasiert sie […]“ (Folge 37, S. 08) und „Zentralrat der Dauerbetroffenen“ (August 2005, S. 66).

Ein fragwürdiger Höhepunkt stellt ein Auszug aus den „Protokollen der weißen von Zion“ dar. Dazu wird erwähnt: „Das ist die „Parlamentarische Demokratie“, die sie uns verordnet haben. In den „falschen“ Protokollen liest man dazu“ (Folge 43). Bedeutend ist dabei unter anderem, dass die falschen in Anführungsstriche gestellt wird, was impliziert, dass die Protokolle keine Fälschung, sondern echt seien.


Verschwörungen und das Thema „Umerziehung“

Wie bereits erwähnt werden aktuelle politische Geschehnisse unter anderem mit Hilfe verschiedener verschwörungstheoretischer Konstrukte erklärt, was bedeutet, dass irrationale, vereinfachende und verallgemeinernde Darstellungen für komplexer Sachverhalte und Zusammenhänge benutzt werden. „… die schrumpfende Bundeswehr [dient] nur als Hilfstruppe fremder Interessen im weltweiten Einsatz“ (Folge 40) und laut Oberländer „stellt sich die Frage, welche Interessen vertreten unsere Abgeordneten, die des deutschen Volkes oder die der Ausländer?“ (Folge 36).

Dies geht bis zu abstrusen abgedruckten Texten, wie einem Artikel über den Personalausweis, welcher angeblich Baphomet zeigt. Dies ist der Beweis, dass „Satanismus bei uns stark zu nimmt“, was wiederum eine Erklärung für den „rapide zunehmenden, moralischen[…] Verfall unserer Gesellschaft“ (Folge 43) darstellt.

Bei dem Thema Verschwörungen spielen auch die Medien eine wichtige Rolle. Sie verschweigen das Wichtigste, vor allem in Bezug auf das deutsche Volk und dessen Wohlergehen: „Das deutsche Volk ist maßlos informiert, nur das Wichtigste weiß man nicht! Wohin führt man uns?“. Die „nationale Opposition [kann] kaum noch eine politische Äußerung ohne Anwalt tätigen“, was die Frage nach sich zieht wo die Freiheit bleibt, „wenn man in Deutschland eine ´Neger-Karikatur´ publizieren möchte?“ (Folge 43, S. 55).

Die Medien wiederum stehen im Einfluss unterschiedlicher Gruppen und Personen, wie zum Beispiel den „Juden“, ebenso wie bürgerlichen Parteien und dem Einfluss der 68er Bewegung und damit verbunden der Frankfurter Schule und der durch die Alliierten und dabei vor allem durch die USA begonnenen „Umerziehung des deutschen Volkes“, welche die „geistige Tradition der Deutschen“ und das „Volks- und Vaterlandsbewußtsein“ zu zerstören trachtete. „Besatzungs- und Umerziehungs-Soziologen und Psychologen“ fügten der „deutschen Nation“ so ein „sechzigjähriges Umerziehungstrommelfeuer“ (Folge 43, S. 30) zu.

Durch die „EU-extremistischen Polit-Funktionäre“ kommt es weiterhin zur Schröpfung des Bürgers und „das sauer verdiente Geld wird im Ausland verteilt“ (Folge 43).

Relativierung des Holocaust und Geschichtsrevisionismus

Explizit werden die Staatsgrenzen der BRD von der Kameradschaft nicht anerkannt, wie sie durch die sogenannten 2plus4-Verträge („Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland“ anstatt eines Friedensvertrages) zwischen DDR, BRD, Frankreich, USA, dem Vereinigten Königreich und der UdSSR geregelt wurden. Dazu schreibt Popp (seit 2001 Kameradschaftsführer): „Ich möchte noch eine Richtigstellung zu Oberschlesien vorbringen: Rechtlich ist Schlesien auch nach Abschluß der sogenannten Ostverträge Teil des Deutschen Reiches. Ein Friedensvertrag, der die deutsch-polnische Grenze regelt, ist bisher nicht geschlossen“ (Folge 43, S. 05). In sich schlüssig schreibt er in einer anderen Ausgabe vom „mitteldeutschen Thüringen und Sachsen“ (Folge 42, S. 05) und vom „kleinsten Deutschland aller Zeiten“ (März 2005, S. 7).

Die Verharmlosung des Holocaust wird am deutlichsten durch einen abgedruckten Artikel von Michel Chossudovsky über den „Atomkrieg gegen den Iran“. Dabei schreibt der Autor, was Popp fett hervorhebt „daß die USA und Israel im Nahen Osten einen nuklearen Holocaust planen“ (Folge 43, S.17). Zwei Seiten später steht geschrieben: „jede Atombombe, wie auch immer, [ist] an sich schon ein Holocaust“ (S. 19). Später, in der selben Ausgabe jedoch nicht im selben Artikel, werden die Holocaust-Opfer in Anführungszeichen gestellt, was deren Existenz in Frage stellt und einen fragwürdigen Höhepunkt der Leugnung des Holocaust im Oberländer darstellt.

Weitere geschichtsrevisionistische Äußerungen „erkennen“ neue Ziele der Alliierten: Nicht mehr das Ende der Hitlerregimes, sondern „die Abschaffung des Deutschen Volkes“ scheint neuerdings das „Kriegsziel Nummer eins“ (Folge 43, S. 34) gewesen zu sein. Stalin wird zum „größten Henker aller Zeiten“ (März 2005, S. 9) und ab dem 8. Mai 1945 begann für Popp „die größte Menschenjagd in der Geschichte“ (März 2005, S. 9) und zwar gegenüber den Deutschen.

„Unsere Väter“ waren statt Verbrecher „die besten Soldaten, die besten Soldaten der Welt“, was durch ein abgedrucktes Gedicht bestärkt wird (Folge 42, S. 02). Durch die Teilnahme Schröders an einer Veranstaltung zum „60. Jahrestag der Sieges der Roten Armee“, werden die eigentlichen Opfer verhöhnt, nämlich die „Millionen deutscher Opfer“ (März 2005, S. 10) und es stellt sich die Frage warum die Bundeswehr am Volkstrauertag am jüdischen Friedhof in Berlin Kränze niederlegt, hinsichtlich der „unschuldigen deutschen Opfer“ (Folge 36) und warum „immer noch von der Alleinschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg“ (Folge 33, S. 9) gesprochen wird.

Zeitschriften und Zeitungen

Im Oberländer werden diverse Artikel aus unterschiedlichsten Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt. Neben Artikeln aus dem Spiegel oder Focus sind aber vor allem auch Presseerklärungen der NPD und Artikel aus Zeitungen des rechten und rechtsextremen Spektrums, unter anderem aus „Nation & Europa“, „Deutsche Militärzeitschrift“, „Unabhängige Nachrichten“, „Vertrauliche Mitteilungen“, „FRITZ“ und dem „National Journal“ zu finden. Im Folgenden werden die genannten Zeitungen kurz dargestellt:

NationalZeitung: Die National-Zeitung (NZ) ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung und erscheint im Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH (DSZ-Verlag) des Gerhard Frey (DVU). Passend dazu publiziert auch Erwin Arlt „exklusiv für den Oberländer“ in einigen Ausgaben. Er war Gründungsmitglied der DVU (bei deren Vereinsgründung, 1971) und zu dieser Zeit Vorsitzender der Vorsitzende der „Aktion Oder-Neiße„ (Versuch Einheitsfront aller ultrarechten Kräfte in den verschiedenen „Vertriebenenorganisationen“ aufzubauen).

FRITZ – Junge Zeitung für Deutschland: FRITZ ist das Mitgliedermagazin der Jungen Landsmannschaft Ost-Deutschland, welche sich im November auf Druck der Landsmannschaft Ostpreussen umbenannt haben.

Die JLO organisiert unter anderem den „Trauermarsch“ zur Bombardierung Dresdens – neben Wunsiedel der zentrale Naziaufmarsch in Deutschland – auf welchen im Oberländer auch positiv Bezug genommen wird.

Unabhängige Nachrichten: Die Unabhängige Nachrichten (UN) sind eine rechtsextreme Monatszeitschrift mit dem Untertitel „Nachrichtendienst und Mitteilungsblatt unabhängiger Freundeskreise“, die seit 1969 erscheint und bundesweit vertrieben wird. Die UN werden von Werner Symanek (ViSdP) herausgegeben, der nebenbei auch das Musik-Label VAWS (darauf finden sich wiederum rechte Bands) betreibt. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Relativierung und Leugnung der deutschen Kriegsschuld sowie die „Umerziehung“ der Deutschen durch die alliierten Siegermächte.

Vertrauliche Mitteilungen: Die Vertraulichen Mitteilungen (VM) wurden 1951 gegründet. Der Gründer kann auf eine NSDAP-Karriere zurückblicken.

Deutsche Militärzeitschrift: Die Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) ist eine seit 1995 zweimonatlich erscheinende Zeitschrift, die sich an die Erlebnisgeneration des Zweiten Weltkrieges, an die Soldaten und Reservisten der Bundeswehr und an alle zeitgeschichtlich interessierten Bürger wendet. Sie wird dem neonazistischen Spektrum zugerechnet.

Bei den Inseraten wird die Einbindung in das rechte und neonazistische Spektrum deutlich: Annoncen des Ostpreußenblatt, der Jungen Freiheit, eindeutige rechtsextremer Verlage wie der Grabert-Verlag oder der Deutsche Stimme Verlag der NPD.

Nation & Europa – Deutsche Monatshefte: Die Zeitschrift wurde 1951 von einem ehemaligen SS-Sturmbannführer gegründet. Es handelt sich um eines der „wichtigsten“ rechtsextremistischen Theorie- und Strategieorgane in der Bundesrepublik.

Die zentrale Funktion der Zeitschrift ist die Bereitstellung von richtungsweisenden Themen, Strategiediskussionen und Interventionsmöglichkeiten, die sich an das gesamte rechtsextreme Spektrum richten.

Es publizieren auch Personen aus dem gesamten rechten Spektrum, u.a. aus der NPD, REP und der Front National.

National Journal: Das National Journal übt sich nahezu ausschließlich im Geschichtsrevisionismus und der Holocaustleugnung. Der Antisemitismus dieses Pamphlets ist extrem aggressiv. Die Tatsache, dass solch menschenverachtende Hetze in der BRD nicht toleriert wird, nutzen die MacherInnen des Blatts gleich dazu einen Opferstatus zu konstruieren, wobei freilich das internationale Judentum dafür (mit-)verantwortlich ist. Nachdem die Inhalte nahezu alle in der Bundesrepublik strafbar wären, liegen sie auf einem ausländischem Server.

Ehrung von Nazi“größen“ – Hinweise auf Mittenwald und das Ulrichsberg-Heimkehrertreffen in Kernten

In dem von der Traditionsgemeinschaft des Freikorps und Bundes Oberland herausgebrachten Buches „Bildchronik zur Geschichte des Freikorps und Bundes Oberland“ wird „zum steten Gedenken“ Rudolf Hess, als Friedensflieger, gedacht.

Des weiteren gratuliert die Kameradschaft Oberland Leni Riefenstahls zu ihrem 100.ten Geburtstag in einer Ausgabe des Oberländer 2002 (Folge 33, S. 9)

Auch nahm Gudrun Burwitz – Tochter Himmlers – an mehreren Annaberg-Gedenkveranstaltungen in Schliersee teil.

Zu letzt findet sich in zwei älteren Oberländern (noch unter dem Kameradschaftsführer Hüfner) der Hinweis, im Terminkalender für das folgende Jahr, auf das Gebirgsjäger-Treffen in Mittenwald am Pfingtssonntag und das „Ulrichsberg-Heimkehrertreffen“ in Kernten. Somit scheint die rechte Tarditionspflege unterm Edelweiß weiter bestätigt und auch innerhalb der Kameradschaft tiefer verankert zu sein.