Das Freikorps Oberland war ein extrem rechter paramilitärischen Freiwilligenverband in der Zeit von 1919-1921 welches seinen Ursprung in dem „Kampfbund Thule“ bzw. die „Thule-Gesellschaft“. Die radikal antisemitische und völkische „Thule-Gesellschaft“, ging aus dem Geheimbund „Germanenorden“ hervor und gilt als eine der Vorläuferorganisationen der nationalsozialistischen Bewegung.

Niederschlagung der Räterepublik

Die Niederschlagung der bayerischen Rätedemokratie war der erste Kampfeinsatz des Freikorps Oberland. Sebottendorff hatte am 19.04.1919 von der Exilregierung in Bamberg die Ermächtigung erhalten in Treuchtlingen das Freikorps Oberland aufzustellen, was er dann jedoch in Eichstätt tat. Am 29.04.1919 das Unternehmen München. Unter den rund 35000 Soldaten der „weißen“ Armee, bestehend aus preußischen und wüettembergische Truppen sowie Freikorps, befanden sich ca. 350 Oberländer. Innerhalb von zwei Tagen schlugen die Weißgardisten die Räterepublik nieder und der „weiße Terror“, begann. Den bei den Kämpfen um München gefallenen 68 Weißgardisten, stehen über 1000 Opfer auf Seiten der Rätedemokratie gegenüber. Der Großteil fiel jedoch nicht in direkten Kämpfen, sondern wurde bei „Säuberungsaktionen“ ermordet. Bei den sogenannten „Entwaffnungsaktion“ handelte es sich zum Teil um Plünderungen unter denen nicht nur angebliche „Spartakisten“, sondern auch das Münchner Bürgertum leiden musst. General Ritter von Haack schreibt in diesem Zusammenhang über das Freikorps Oberland:„[…] zum Teil bestand es aber auch aus Verbrechern, die nichts wollten als plündern[…]“ [1]. Mehrere tausend Münchner wurden misshandelt, verhaftet und zum Teil erschossen. Erschießungen (sowohl von Zivilisten als auch Politiker der Räterepublik) ohne rechtliche Grundlage, waren in diesen Zeiten an der Tagesordnung, in Berichten wurde diese Art von Mord dann „auf der Flucht erschossen“ genannt. Das Freikorps Oberland hatte so unter anderem „Sontheimer“ (ein Mitglied des „Revolutionären Arbeiterrates“) ermordet.

Am 10.01.1920 trat der Versailler Vertrag in Kraft. Dieser beinhaltete wie vorhin schon kurz erwähnt, die Neuorganisation und Umbau der Reichswehr auf die Stärke von 100.000 Mann, die Auflösung der Freikorps Verbände, Entwaffnung der Bevölkerung, Auslieferung der Kriegsverbrecher und den Beginn der Reparationsleistungen. Ab diesem Zeitpunkt waren das Freikorps Oberland eigentlich eine illegale Terrororganisation.

Kämpf gegen die „Roten Ruhrarmee“

Rechtsextreme Kräfte versuchten im März 1920 gegen die Regierung zu putschen. Dieser Sogenannte Lüttwitz-Kapp-Putsches scheiterte jedoch. Ursachen waren sowohl die Weigerung der Ministerialbürokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten, als auch ein Generalstreik. Als Folge des Generalstreiks entstanden im rheinisch-westfälischen Industrierevier sogenannte „Vollzugsräte“, diese wurde von der „Roten Ruhrarmee“ geschützt. Im April 1920 marschierten dann Regierungstruppen in das Ruhrgebiet ein, um den Aufstand niederzuschlagen. Unterstützung, in diesem „Kampf gegen den Bolschewismus“, erhielten sie von verschiedenen Freikorp, unter anderem dem Freikorps Oberland. Ähnlich wie die Münchner Räterepublik, wurde auch die „Ruhr-Republik“ blutig niedergeschlagen. Laut dem Instituts für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung übertrafen dabei „Die Greueltaten der Regierungstruppen bei weitem die Ausschreitungen der Roten Ruhrarmee. […] nach dem Ende der Kämpfe hatten die Aufständischen weit mehr als 1000 Tote zu beklagen, bei Reichswehr und Freikorps etwa 250“

Am 25. April wurde das Freikorps Oberland wieder nach München transportiert wo es am 30.04 erneut aufgelöst wurden, allerdings bleiben die Mitglieder des Verbandes blieben auch weiterhin, nunmehr im Rahmen der Organisation Escherich (Orgesch), miteinander in Verbindung.

Kampf um Oberschlesien

Nach den ursprünglichen Plänen der Siegermächte des Ersten Weltkrieges sollte ganz Oberschlesien mit einigen Gebieten Mittelschlesiens, die Provinz Posen und Teile von Westpreußen mit Danzig sowie von der Provinz Ostpreußen den Kreis Soldau zu Polen gehören. Organisierte Massenproteste veranlassen die Siegermächte zur Durchführung einer Volksabstimmung in Oberschlesien über dessen staatliche Zukunft Diese fand am 20. März 1921 statt. Es stimmten 59,6% (707.554) der befragten Oberschlesier für einen Verbleib beim Deutschen Reich, für einen Anschluss an Polen votieren 40,4% (478.820). In 597 Gemeinden gab es eine polnische Mehrheit, vor allem im Osten und Südosten Oberschlesiens und eine deutsche in 664 Gemeinden. In dem Wahlkreis „Gross Strehlitz“ in welchem der später stark umkämpfte Annaberg liegt, stimmte eine knappe Mehrheit der Wahlberechtigten für einen Anschluss an Polen (von 45581 abgegebenen Stimmen, stimmten 23046 für Polen und 22412 für Deutschland. 128 Stimmen waren ungültig). Damit währe Oberschlesien wie ein „Fleckerlteppich“ aufzuteilen gewesen. Polnische Freischärler riefen daraufhin am 02.Mai 1921 den dritten polnischen Aufstand aus. Der erste (16.08.1919) und der zweite polnische Aufstand (20.08.1920), ebenfalls mit dem Ziel Oberschlesien an Polen anzuschließen, wurden von deutschen Polizeieinheiten sowie Freikorps niedergeschlagen. Im Rahmen dieses dritten Aufstandes besetzen polnische Freischärler u.a. den strategisch wichtigen Annaberg.

Die Reichsregierung entschied sich, die Vorgaben des Versailler Vertrages einzuhalten, und nicht die Reichswehr einzusetzen. Es gründete sich jedoch der „Selbstschutz Oberschlesien“ (S.S.O.S.), eine bewaffnete Vereinigung deutscher Oberschlesier. Unterstützung bekam der S.S.O.S. von illegalen Freikorpsverbänden, wie den Freikorps Oberland. In Zügen machten sich die Kämpfer des Freikorps Oberland, samt Waffen auf den weg. Mehrere dieser illegalen Truppen und Waffentransporte wurden durch Betriebsräte auf den Bahnhöfen (vor allem in Dresden) aufgehalten und nach Bayern zurückgesandt. Diese Aktionen waren für die Betriebsräte jedoch lebensgefährlich. Ein Betriebsrat, der die Wagen kontrollieren und nach Waffen durchsuchen wollte, wurde z.B. aus dem fahrenden Zug geworfen. Die ersten Oberländer trafen in Oberschlesien bereits am 12.05. ein und am 16.05. waren bereits drei Bataillone marsch- und gefechtsbereit. Insgesamt waren die Oberländer mit etwa 1000 Mann, der kampstärkste Bestandteil der „Gruppe Süd“, welcher sie unterstanden. Aber auch in Oberschlesien kam es zu Überfällen und Plünderungen durch das Freikorps Oberland. Arnold Bronnen schildert eine dieser Situationen sehr anschaulich: „ Bei einem Bahnübergang hatte die Schranke ein ungeduldig zitterndes, tänzelndes Auto gestoppt, dessen dicke Insassen es massig eilig hatten. Römer sah sie und dachte: Eine Gabe Gottes! Den Zug gestoppt und mit einigen Burschen über die Schwellen aufs Auto zu. Die ungeladenen Pistolen auf der schwitzenden Stirn gaben die Koofmichs mit Eifer ihr Geld. Zum Besten des Vaterlandes, meinte Römer, nicht ohne Spott.“ [2] Diese und andere kriminelle Aktione sorgten dafür, das Teile der Oberschlesische Bevölkerung Angst vor den Oberländern hatten, wie sogar Karl Hoefer, der Leiter des Selbstschutzes Oberschlesien in „Oberschlesien in der Aufstandszeit“ schreibt: „das sehr derbe, rücksichtslose und […] nicht immer ganz einwandfrei Auftreten schaffte Ihnen manche Feinde[…]. [Die Furcht], war so groß, dass trotz Polennot Ihre sofortige Rückschaffung nach Bayern gefordert wurde.“[3]

Die erste große militärische Aktion an der das Freikorps Oberland beteiligt war, war in der Sturm auf den Annaberg. In mehreren Etappen eroberte die „Gruppe Süd“ den strategisch wichtigen Ort, welcher sich am 21.05 ab 12:40 Uhr in „deutscher Hand“ befand. Die demokratiefeindliche Einstellung der Oberländer zeigt sich auch dadurch, dass sie als Siegeszeichen die schwarz-rot-goldene Fahne der jungen deutschen Republik, sondern bezeichnenderweise die schwarz-weiß-rote Flagge des Kaiserreiches hissten. Nach dem Sturm auf den Annaberg gab es einen Sturm der Erregung im In- und Ausland. Die hatte noch am 21. Mai nachmittags in einer scharfen Note von dem deutschen Vertreter des Auswärtigen Amtes in Oppeln, den sofortigen Stillstand der Offensive gefordert. Der deutsche Reichspräsident reagierte auf das Vorgehen der illegalen Truppen in einer Verordnung deutlich. Darin schrieb er: „Wer es unternimmt, ohne Ermächtigung der zuständigen Dienststellen Personen zu militärischen Verbänden zusammenzuschließen, oder wer an solchen Verbänden teilnimmt, wird mit Geldstrafe bis zu 100 000 Mark oder Gefängnis bestraft“. Auch die Presse, wie z.B. das „Berliner Tageblatt“ kommentiert den Sturm auf den Annaberg nicht wohlwollend, so heißt es dort: „Die Auflösung der oberschlesischen Banden ist im vaterländischen Interesse eine dringliche Aufgabe der Reichs- und Landesbehörden“. Bei den Kämpfen der nächsten Tage, zeigte sich wiedereinmal der Charakter des Freikorps Oberland. Sogar Befehle des Selbstschutzes Oberschlesien wurden mehrfach missachteten.

Zum 05. Juli um 12:oo Uhr wurden die Gruppen des Selbstschutzes aufgelöst da sich die polischen Kräfte bis hinter Beuthen zurückgezogen hatten und dies vom britischen Militär überwacht wurde. Die meisten Oberländer kehrten in die Heimat zurück, doch einige blieben, als Arbeitskommandos getarnt, auf Landgütern in Oberschlesien. Einige waren auch in sogenannten „Jagdkommandos“ bzw. „Rollkommandos“ aktiv, welche im polnischen Gebiet spionierten. Um diese, im Volksmund als „Mordkommandos“ bekannte Gruppe, rangen sich viele Gerüchte. Sie sollen unter anderem an einige Fememorden beteiligt gewesen sein. Paul Fröhlich schreibt dazu: „In Oberschlesien nannten sich Terrorgruppen ´Rollkommandos´. Sie haben dort eine Unzahl schwerster Verbrechen begangen. Bei der ‚Reichsfahne Oberland´ heißt die Terrorgruppe ‚Wurfkommando´[…]“[4]. Auch der Reichskommissar für öffentliche Sicherheit, erklärte im Dezember 1923: “ In Oberschlesien hätten viele dieser Männer [Freikorps Oberland] später Verbrechen begangen“.[1]

Nach der Rückkehr aus Oberschlesien war das Freikorps Oberland wieder ein Teil der Orgesch, doch diese hatte keinen großen Einfluss mehr. Die bayerische Regierung unter Gustav von Kahr (1862-1934), verlor den politischen Kampf gegen die Reichsregierung um die Erhaltung der Einwohnerwehren und am 24. Juni 1921, wurde die Organisation Escherich, im gesamten Reichsgebiet, für aufgelöst erklärte.

Fememorde

Mitglieder des Freikorps Oberland mordeten jedoch nicht nur bei „Kampfhandlungen“, sonder waren auch an zahlreichen Fememorden beteiligt. Femetaten waren eine besondere Art des politischen Mordes. In geheimer Selbstjustiz, beschlossen vaterländische Organisationen vermeintliche Verräter zu töteten. Neben einer Vielzahl von angeblichen „Verrätern“ wurden sogar konservative Politiker wie z.B. Minister Matthias Erzberger (katholischen Zentrumspartei) erschossen.[5]

Umbenennung in Bund Oberland

Nach dem Verbot der Orgesch im Juni 1921 wurde, am 12.Dezember 1921 der „paramilitärische Verband“ „Bund Oberland“ ins Münchener Vereinsregister eingetragen. Der Bund Oberland, welcher sich u.a. am Hitlerputsch 1923 beteiligte, war die Nachfolgeorganisation des Freikorps Oberland

Fußnoten:

[1] Gordon, Harold J.: Hitlerputsch 1923; 1978

[2] Bronnen, Arnold: O.S.;1929

[3] Hoefer, Karl:Oberschlesien in der Aufstandszeit; 1938

[4] Fröhlich, Paul: Wider dem weißen Mord;1922

[5] Venner, Dominque: Söldner ohne Sold; 1974