Jedes Jahr im Mai findet in dem oberbayrischen Schliersee eine gruselige extrem rechte Gedenkveranstaltung statt: die sog. „Annaberggedenkfeier”. “Deutschland, Deutschland über alles.. “ schallt es vom Schlierseeer „Weinberg” wenn die „Freikorps Oberland” unter schwarz-weiß-roten Fahnen ihrer gefallenen Kameraden „gedenken”.

Wer organisiert das braune Gedenken?

Die „Annaberg-Gedenkfeier” wird ge-meinsam von der Landsmannschaft der Oberschlesier und der rechtsextremen „Kameradschaft Freikorps- und Bund Oberland” organisiert. Diese Kamerad-schaft unter ihrem „Führer” Jürgen Popp (aus Rosenheim) bezieht sich auf die historischen Freikorps Oberland. Welch menschenverachtendes Gedankengut in-nerhalb dieser „Kameradschaft” gepflegt wird, zeigt Ihr Mitteilungsblatt „Der Oberländer”. Hier finden sich Artikel aus den unterschiedlichsten rechten Publikationen. Ob Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus, Verschwör-ungstheorien oder Berichte von Neonaziaufmärschen, zahlreiche rechte Themenfelder werden bedient. So verwundert es auch kaum, dass die „Kameradschaft” an von dem NPD-Funktionär Roland Wuttke organisierten Gedenkveranstaltungen teilnimmt und NPD Pressemitteilungen in ihrem Mitteilungsblatt abdruckt.

Wer war das Freikorps Oberland?

Das Freikorps Oberland war ein paramilitärischer, deutschnationaler und antikommunistischer Freiwilligentrupp, welcher als Vorläuferorganisation der SA gilt. Es ging aus der antisemitischen „Thule-Gesellschaft” hervor. Wessen Geistes Kind diese Organisation war, wird an einem Zitat ihres Gründers Rudolf von Sebottendorf (Geburtsname: Rudolf Glauer) deutlich: „…Wir sind keine Demokraten, wir lehnen Demokratie ab. Demokratie ist jüdisch, alle Revolution der Demokratie ist jüdisch…”. Am 19.04.1919 erhält dieser Sebottendorf die Ermächtigung das Freikorps Oberland aufzustellen. Wenige Tage später beteiligen sich bereits 300 „Oberländer” an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik und dem anschließenden „weißen Terror”. Im Juli 1919 sind bereits 1050 Mann unter dem Kennzeichen des Edelweißes kampfbereit. 1920 kämpfen Teile der Freikorps Oberland gegen die revolutionären Arbeiter im Ruhrgebiet und 1921 gegen polnische Freischärler in Oberschlesien. Im Rahmen dieser Kämpfe kam es am 21.05.1921 zu dem sogenannten „Sturm auf den Annaberg”, weswegen das jährliche „Gedenken” in Schliersee statt findet. Umbenannt als „Bund Oberland” beteiligten sie sich 1923 wesentlich am ”Hitler-Ludendorff-Putsch” Am 09.11.1933 wurde dann die Fahne der „Freikorps Oberland” feierlich an die SA übergeben. Das Ziel – das „Dritte Reiche” – war erreicht.

Wer nimmt an der „Annaberg-Gedenkfeier” teil?

Es kommen TeilnehmerInnen aus den unterschiedlichen rechten Spektren zu den jährlichen Feiern in Schliersee. Letztes Jahr waren, neben „alten Kämpfern“, wie der 97 Jährige Max Zastow aus Wien, und „Vertriebenen”, auch neonazistische Skinheads anwesend. Trotz des zeitgleich in Gremsdorf (Lkr. Erlangen-Höchstadt) stattfindenden NPD-Landesparteitages, waren Münchner NPD AktivistInnen wie Pia Veitl und der ehemalige Münchner JN Stützpunktleiter Carsten Beck (jetzt „pro München” und „Veritas Versand”) mit von der Partie. Auch junge lokale Rechtsextremisten, wie Stefan Leitner aus Hausham, waren ebenso präsent, wie etwa die altgediegene Edda Schmidt (NPD, Artgemeinschaft, Ex „Wiking-Jugend”…)

Warum in Schliersee ?

Zum Gedenken an die „in Oberschlesien gefallenen Kameraden” wurde in Schliersee ein Denkmal gebaut, welches am 30. September 1923 eingeweiht wurde. Nicht nur aufgrund von Naziaufmärschen, entwickelte es sich in den Folgejahren zum faschistischen Pilgerort. Aus diesem Grund wurde das Denkmal 1945 von amerikanischen Streitkräften zerstört. Jedoch wurde bereits 1956 an der Schlierseer „Weinbergkapelle” eine Gedenktafel mit der Aufschrift: „ Freikorps Oberland – Dem Gedenken seiner 52 im Freiheitskampf in Oberschlesien anno 1921 gefallenen Kameraden. Sie werden wieder auferstehen.” angebracht.