Archiv für Mai 2012

Bündnis fordert sofortige Entfernung der Freikorps-Tafel

An dieser stelle Dokumentieren wir eine Pressemitteilung des Bündnis gegen Rechtsextreme Umtriebe im Oberland vom 21. Mai 2012

SCHLIERSEE, LKR MIESBACH Abermals hat an der Weinbergkapelle in Schliersee die vielfach kritisierte Annaberg-Gedenkfeier stattgefunden. Wie schon im Jahr zuvor wurde ein Kranz des „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“ an der Kapelle abgelegt. Dieses Jahr dürften die Umstände der rechten Gedenkfeier den Beteiligten nicht gefallen haben: Eine Woche zuvor hatten Unbekannte den Schriftzug „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“ angebracht.

Alt- und Neonazis, bündische Aktivist_innen, militaristische Verbände und Vertriebenenorganisationen zelebrieren seit vielen Jahrzehnten hier das „Gedenken“ an die reaktionären Freikorps und ihre Kämpfe in Oberschlesien. Ort der vom „Bündnis gegen Rechtsextremistische Umtriebe“ als reaktionär und geschichtsrevisionistisch bezeichneten Veranstaltung ist die Schlierseer Weinbergkapelle. Die dort angebrachte Tafel wurde von Karl Diebitsch, einem frühen Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung und gewichtigem SS-Funktionär, entworfen.
Bild: An der Weinbergkapelle abgelegte Kranz des Stahlhelm B.d.F.. In der Woche zuvor hatten Unbekannte einen antifaschistischen Spruch an die Kapellenwand gesprayd.
Bild: An der Weinbergkapelle abgelegte Kranz des Stahlhelm B.d.F.. In der Woche zuvor hatten Unbekannte einen antifaschistischen Spruch an die Kapellenwand gesprayd..

Neu und umso mehr bedenklich ist das wiederholte Ablegen eines Kranzes zu ehren der rechten Frontkämpfer-Organisation Stahlhelm.
Dieser Bund der Frontsoldaten war mit 500.000 Mitgliedern einer der bedeutendsten Wehrverbände der nationalen Rechten in der Weimarer Republik. Der „Stahlhelm“ paktierte ab 1931 mit der NSDAP und der DNVP in der sogenannten Hartzburger Front. Seit Juni 1933 wurden die Mitglieder des Stahlhelms in die SA überführt.

Der als „preußisch-protestantisch“ und „städtisch-landfremd“ verschrieenen Magdeburger Wehrorganisation fiel es in Bayern zunächst schwer, Fuß zu fassen. Die deutschen Bischofskonferenzen hatten bereits seit 1924 wiederholt vor dem Bund gewarnt und waren nicht gewillt, sein Vordringen in das katholische Kernland Bayern zu dulden.

„Wir fordern nun die Pfarrgemeinde Schliersee auf, den Alt- und Neonazis endlich den Anlass ihres jährlichen Treibens, die unsägliche Gedenktafel, zu entfernen.“ Sagt Michael Kurz, Sprecher des Bündnis gegen Rechtsextreme Umtriebe.

Weinbergkapelle Beschmiert – Artikel aus dem Miesbacher Merkur vom 14.05.2012

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen ‚Artikel aus dem Miesbacher Merkur vom 14. Mai 2012

Schliersee -Unbekannte haben die Weinberg-Kapelle in Schliersee mit politischen Parolen beschmiert. „Nie wieder Krieg“ und „Nie wieder Faschismus“ steht in schwarzen Lettern an der Kapellenwand geschrieben. Die Tafel, die an die „52 im Freiheitskampf um Oberschlesien anno 1921 gefallenen Kameraden“ des Freikorps Oberland gednekt, ist durchgestrichen. Schaden: rund 250 Euro. Bei der Polizei Miesbach ist nun Anzeige eingegangen. Diese ermittelt wegen eienr politisch motivierten Straftat und sucht unter 08025/2990 nach Zeugen.
Der Hintergrund der Schmierereien dürfte bekannt sein: Jährlich kommen Ende Mai am Weinberg von Vertriebenenverbänden und der Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland zusammen, um der toten Annaberg Kämpfer zu gedenken. Im Internet kursieren Videos, wie eine NPD-Fahne geschwenkt wird – was den Veranstaltern gar nicht passte – und wie dier erste Strophe der Deutschen Nationalhymne gesungen wird, was allerdings nicht verboten ist. Allerlei Personen, die eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind, tummelten sich am Weinberg. Zwischenzeitlichkam es zu Gegendemonstrationen, an letzteren intensiv beteiligt war auch das linksextreme Spektrum. Zwei Jahre lang fiel das Gedenken aus. In den Vergangenen beiden Jahren fand es wider statt, allerdings ohne Begleitung von linker Seite, sehr wohl aber seitens der Polizei. Eine Vorsichtsmaßnahme.

Das Freikorps Oberland war ein paramilitärischer und deutschnationaler Freiwilligentrupp, der unter anderem 1919 an der blutigen Niederschlagung der Zweiten Münchner Räterepublik und 1923 – umbenannt in Bund Oberland – am Hitlerputsch beteiligt gewesen war. Angesichts der pazifistischen und antifaschistischen Parolenam Weinberg kann man wohl davon ausgehen, dass heuer eine Gedenkveranstaltung nicht lautlos über die Bühne gehen wird. Aktuell ist der Polizei Miesbach allerdings nicht bekannt, dass das Treffen stattfinden soll.
Der nächstliegende Termin wäre Sonntag, der 20. Mai. Denn die erfolgreiche Erstürmung des Annabergs fand am 21. Mai 1921 statt. Allerdings: in den Jahren nach den großen Demonstrationen kamen teile der rechten Szene schon Wochen zuvor informell in Schliersee zusammen – zu einem „Wandertag“.