Archiv für Juli 2011

Vor 90 Jahren: Hitler manövriert sich an die Spitze der NSDAP

Gewaltbereitschaft, terroristische Aktionen und Putschversuche gehörten von Anfang an zum Politikarsenal deutscher Faschisten, die sich seit 1919/20 in der NSDAP zu sammeln begannen. Zwar war im März 1920 der Versuch der Herren Kapp und Lüttwitz gescheitert, eine offene Militärdiktatur zu errichten sowie die Ergebnisse des verlorenen Weltkrieges und der Novemberrevolution zu revidieren – dank des Generalstreiks von zwölf Millionen Arbeitern und anderer demokratischer Kräfte. Doch der Gedanke an einen gewaltsamen Sturz der Weimarer Republik nahm in der Vorstellungswelt seiner Initiatoren und Befürworter nach wie vor einen bedeutsamen Platz ein. Dazu trug u.a. bei, daß in Bayern die Reaktion trotz der Niederlage Kapps zufrieden sein konnte: Fast alle Ziele des Putsches hatten sich in ihrem Land erreichen lassen, sozusagen auf kaltem Wege. Das sozialdemokratische Kabinett sah sich massiv unter Druck gesetzt und mußte am 16. März einer rein bürgerlichen Regierung unter dem rechtskonservativen Monarchisten Gustav Ritter von Kahr weichen. Vor allem mit Hilfe der 300000 Mitglieder zählenden bayerischen Einwohnerwehren gelang es, den Freistaat zu einer »Ordnungszelle« Deutschlands zu machen, zu einer Hochburg monarchistisch-partikularistischer Kräfte, zum Schlupfwinkel rechtsradikaler Terrorgruppen und damit auch zur Brutstätte völkisch-faschistischer Organisationen

Unverkennbar dominierten seit 1921, auch als Ergebnis der nunmehr durchgesetzten autoritären Strukturen, Bestrebungen zum Aufbau einer parteieigenen Bürgerkriegstruppe. Ansätze dazu waren schon zuvor erkennbar: Vor und während der Juli-Krise hatte sich Hitler bereits mit einer »Schutz«-Truppe umgeben. Schläger u.a. aus den Reihen des Freikorps Oberland – bezahlt mit einem Tagegeld zwischen 15 und 60 Mark – sollten Veranstaltungen »schützen«. Am 3. August 1921 wurde offiziell die Sport- und Turnabteilung ins Leben gerufen, jene bald als Sturmabteilung (SA) bezeichnete Schlägergarde der NSDAP. Ihr erster Leiter, Hans Ulrich Klintzsch, kam aus jener berüchtigten Marinebrigade II unter Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt, die bereits aktiv am Kapp-Putsch mitgewirkt hatte. Gleich ihm fanden auch andere ehemalige Soldaten in der SA eine neue »Heimat«, nachdem unter dem Druck der Entente die Einwohnerwehren und andere paramilitärische Verbände endgültig aufgelöst worden waren.

den ganzen Artikel gibts zu lesen in der Jungen Welt vom 29.07.2011